Transmissionen

Ofenrohre aus privaten Wohnräumen sind Träger von Geschichte beziehungsweise mit ihr behaftet. Diese im öffentlichen Raum in Form einer künstlerischen Installation ihrer ursprünglichen Verwendung zu entledigen und wieder zu verwerten, stellte für mich eine formal wie inhaltlich - dem Thema des Symposiums folgend - interessante künstlerische Arbeit dar.

Dabei sind  Länge, Winkel, Durchmesser, Oberflächenbeschaffenheit und Materialzustand gleichermaßen die vorgegebenen Parameter. In der Verknüpfung von Einzelelementen, für die Gesellschaft in der ursprünglichen Form unbrauchbar gewordenen und versehen mit dem Ruß, dem Verbrennungsrückstand von Holz und Kohle, zu einer Raum greifenden und Raum schaffenden Linie, korrespondiert diese aktuelle Arbeit mit meiner seit 1998 in Gallspach begonnenen konsequenten Tätigkeit des Flächen füllenden und Bild entwerfenden Weiterschreibens eines den menschlichen Daseinszustand diagnostizierenden Kurztextes mit Hilfe meiner Handschrift und dem Zeitfaktor Wiederholung.

Auch Religionen bauen auf ritualisierte Wiederholungsschemata, wenn  aus der menschlichen Zustandsgebundenheit und dem Empfinden zeitlicher und körperlicher Grenzerfahrungen heraus, Kontaktnahme mit dem (Aller-)Höchsten angestrebt wird. Dem entspricht das klangliche Element – das Rosenkranzgebet, vielfach überlagert, mit dem die verbundenen Ofenrohre gespeist werden.

W. M. Reiter 2004