Zeichensetzung

Zeichensetzung mittels Handschrift –

das in eine Form übertragene (zustandsgebundene) Sein des Menschen:

Die unter Verwendung der Medien Papier und Tusche (Wasser, Pinsel, Bleistift) mit zugespitzten Holzstäben hergestellten Zeit-Schriften präsentieren sich als Anhäufung von horizontal verlaufenden und vertikal sich ausbreitenden Schriftlinien, wobei sich der Sinn suggerierende Informationsträger in einem transkriptiven Prozess über die Handschrift, auch von musikalischen Parametern wie Agogik, Phrasierung und Dynamik geprägt, zur gestischen Zeichensprache entwickelt.

Der seit 1998 als Ausgangsmaterial dienende Text  1. Petr. 5.8,9 – Abendgebet der Kirche nach dem Brevier – schreibt sich als Akt der Erinnerung, einem rhythmischen Duktus folgend, fort, bis ins Wesentliche-Unwesentliche.

Wiederholung, Variation, die den Bewegungsabläufen schnellen Schreibens innewohnenden Möglichkeiten der Transformation und das gleichzeitig zur Liniensetzung stattfindende Sprechen der Wörter ritualisieren den Arbeitsprozess, der, situationsunabhängig und nicht an bestimmte Anlassfälle gebunden, in besonderer Weise Lebenszeit misst und speichert, eine kontextfreie Kommunikation mit dem Rezipienten einleitet und dabei trotzdem auf alles bisher Festgeschriebene reflektiert.

Sowohl die bis auf eine Länge von mehreren Metern anwachsenden Schrift(linien)partituren auf Transparentpapier als auch die aus Schriftblättern entstandenen Faltobjekte widerspiegeln die Suche nach einer möglichst immateriellen Bildsprache.